Heilpädagogisch-Inklusionstherapeutische
Praxis Apfelbaum
Petra Schumacher
An der Seidenweberei 11
47608 Geldern
E-Mail schreiben
Tel.: 02831/9735990

 

Heilpädagogisch-Inklusionstherapeutische
Praxis Apfelbaum

Petra Schumacher
Bahnhofstraße 35a
47533 Kleve
E-Mail schreiben
Tel.: 02821/9973549

Heilpädagogisch-Therapeutische Praxis Apfelbaum - Petra Schumacher

Gewalt- und Schutzkonzept

Präambel 

Auf der Grundlage der UN- Behindertenrechtskonvention haben insbesondere Kinder mit erschwerten besonderen Lebens- und Lernerschwernissen unter Einbeziehung des Kindeswohls das Recht auf Selbstbestimmung, Selbstwirksamkeit, Autonomie, Partizipation und Zugänglichkeit für eine volle und wirksame Teilhabe an sozialer Gemeinschaft und Bildung. Die Achtung vor den entwickelnden Fähigkeiten der Kinder ist zu wahren und unter Berücksichtigung der Vielzahl ihrer speziellen Lebenssituationen sind abgestimmte Regelungen, Förderungen und einstellungs- und umweltbedingte Barrieren zu beseitigen und Bedarfe herzustellen. 

Diesen Grundlagen hat sich die Praxis Apfelbaum verpflichtet, verbunden mit den wichtigsten Grundgedanken der Heilpädagogik, die durch die Ganzheitlichkeit sowie die Ressourcenorientierung geprägt sind, sehen wir jedes Kind in seiner Andersartigkeit als ein einmaliges und einzigartiges Wesen, dass seine besonderen und wertvollen Dispositionen mit auf die Welt bringt. 

Definition von Gewalt 

Zu Beginn des Prozesses gilt es sich einer Definition anzunähern, was eigentlich im Kontext unserer heilpädagogischen Tätigkeit mit „Gewalt“ gemeint ist. Als Arbeitsdefinition kann hierzu folgende Beschreibung dienen:  

„Von Gewalt wird dann gesprochen, wenn  

  • einem Menschen 
  • im Kontext von Abhängigkeitsstrukturen 
  • gegen dessen Willen, im Sinne eines reflektierten Einverständnisses, 
  • ein Verhalten oder Tun aufgezwungen wird 
  • bis hin zur physischen oder psychischen Überwältigung oder Vernichtung 
  • unabhängig davon, ob die Gewalt gewollt, bewusst oder absichtlich angewendet wurde oder unabsichtlich, unbewusst bzw. ungewollt.“ 

Für unsere Heilpädagogische Praxis bestimmen sich demnach verschiedene Erscheinungsformen von Gewalt:  

  •  unmittelbare und mittelbare Gewalt  
  • durch Unterlassung und Vernachlässigung  
  • auf physischer, sexualisierter, emotionaler, verbaler, psychischer, geistiger Ebene  
  • gesetzlich legitimierte Gewalt zum Schutz bzw. Vorsorge  

Gewalt kann dabei ausgeübt werden als  

  • individuelles Fehlverhalten des Einzelnen, systematisch oder als spontanes Konfliktverhalten. 
  • Verhaltenskodex 

Die Mitarbeiter*innen verpflichten sich dazu, ihr Verhalten gemäß der folgenden Verhaltensampel auszurichten.  

Verhaltensampel 

Was dürfen Mitarbeiter*innen der Praxis Apfelbaum nicht? 

Rote Lampe 

= dieses Verhalten ist immer falsch und dafür werden MA angezeigt und/oder bestraft 

  • Körperliche Gewalt wie Treten, Schlagen etc. 
  • Einsperren 
  • Sexuell belästigen und missbrauchen 
  • Angst einjagen und bedrohen 
  • Quälen 
  • Mit Schutzbefohlenen sexuell Kontakt haben 
  • Vergewaltigen 
  • Misshandeln, physisch und psychisch 
  • Stehlen 
  • Schweigepflicht brechen 
  • Drogen und Alkohol konsumieren während der Arbeitszeit 

Gelbe Lampe 

= dieses Verhalten ist pädagogisch kritisch und für die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen nicht förderlich 

  • Nicht ausreden lassen 
  • Negative Seiten hervorheben 
  • Beleidigen, Kraftausdrücke benutzen 
  • Herum- und Anschreien 
  • Termine nicht einhalten, unzuverlässig sein 
  • Jemanden ausschließen oder benachteiligen 
  • Lügen
  • Regeln aus reiner Willkür ändern 
  • Etwas Böses wünschen 
  • Unverschämt werden 
  • Grenzüberschreitendes Verhalten, „Stopp“ ignorieren 
  • Wut auslassen 
  • Verantwortungslos handeln 
  • Keine Regeln festlegen 
  • Grundbedürfnisse nicht berücksichtigen 
  • Auslachen, Bloßstellen  

Grüne Lampe: 

= dieses Verhalten ist pädagogisch richtig, gefällt Kindern und Jugendlichen aber nicht immer 

  • Wertevermittlung 
  • Förderung der moralischen Entwicklung 
  • Grenzsetzungen 
  • Regeln einhalten 
  • Gemeinsame Strukturen schaffen, z.B. Aufräumen   
  • Melde-, Daten- und Informationspflicht einhalten den Eltern und Ämtern gegenüber 
  • Verbieten, anderen zu schaden. 

Angelehnt an: Materialien der Uni Ulm EQUAT Kurs Leitungswissen Kinderschutz in Institutionen. Originalquelle: Ampelplakat „Was dürfen Betreuer/innen und was nicht?“. Hochdorf, Evangelische Jugendhilfe im Kreis Ludwigsburg e.V.  

Unser Ziel ist es generell mit den eigenen Fehlern und den Fehlern der Kolleg*innen offen und konstruktiv umzugehen und im Rahmen von kollegialer Beratung/Supervision zu bearbeiten.  

Ein Verhaltenskodex enthält auch eine Verpflichtung für alle, Verstöße mitzuteilen, damit es nicht von Freundschaft und Loyalität abhängt, ob Fehlverhalten bemerkt und gemeldet wird. Auch der Dienstgeber sollte sich im Verhaltenskodex zu Maßnahmen und Verfahren verpflichten, die seine Verantwortung am Gelingen einer gewaltfreien Organisation verdeutlichen.  

Ein wichtiger Basis-Baustein unserer therapeutischen Arbeit stellt das Konzept der Gewaltfreien Kommunikation nach Rosenberg dar. 

Fortbildungen 

Im Jahr 2021 fand eine Fortbildung zum Thema „Grundlagen Kinderschutz Erkennen-Beurteilen-Handeln", durchgeführt durch die Bildungsakademie BIS statt, an der 12 Mitarbeiter*innen im Blended Learning Format teilnahmen. Ziel der Veranstaltung war es, Sensibilität für das Thema zu schaffen, eine einheitliche Fachsprache zu entwickeln und Handlungssicherheit für die pädagogische Arbeit im Umgang mit Kindeswohlgefährdung zu erlangen. Die Veranstaltung wird in 2022 fortgesetzt, voraussichtlich mit dem Themenschwerpunkt „Kommunikation im Umgang mit Kindeswohlgefährdung“. Ausgehend von der Fortbildung wurde damit begonnen das Gewalt-Schutzkonzept zu erarbeiten und zu verschriftlichen.  

Erweitertes Führungszeugnis 

Kinderschutz beginnt bereits bei der Personalauswahl. Hierfür wird von allen neu eingestellten Mitarbeiter*innen ein erweitertes Führungszeugnis verlangt. Dieses sollte spätestens nach fünf Jahren (i.d.R. alle drei bis fünf Jahre) erneut angefordert werden, um sicherzustellen, dass auch rechtskräftige Verurteilungen bekannt werden, die während des laufenden Arbeitsverhältnisses stattgefunden haben. Mit dem Arbeitsvertrag wird künftig eine Selbstverpflichtungserklärung unterschrieben, die mit in die Personalakte genommen wird (Anlage 1). 

Hiermit soll bereits vor Antritt der Tätigkeit jedem deutlich gemacht werden, wie wichtig uns der Kinderschutz in unserer Einrichtung ist und welche Pflichten einzuhalten sind.  

Partizipation 

Die Beteiligung der Kinder und deren Eltern bzw. Sorgeberechtigten ist uns ein großes Anliegen. Hierzu betonen wir schon zu Beginn jeder therapeutischen Maßnahme, dass wir therapeutische Ziele gemeinsam festlegen und daran arbeiten möchten.  

Im schulunterstützenden heilpädagogisch-therapeutischen Inklusionskonzept KIM wurden sowohl für die Kinder als auch für die Eltern und Lehrer*innen, mehrere Fragebögen entwickelt, wodurch ihnen ermöglicht wird, schriftlich eine Rückmeldung zu geben. Fragebögen für die anderen Fachbereiche werden entwickelt.  

Gemeinsam mit den Kindern erarbeiten wir individuelle Regeln, die den Therapieverlauf begleiten. Dies stärkt die Kinder in ihrer Selbstwirksamkeit und fördert das Sicherheitsgefühl.  

Wichtig ist uns auch die Partizipation unserer Mitarbeiter*innen, die in viele Prozesse mit einbezogen werden. Das spiegelt sich auch in unserer Unternehmenskultur und dem Fortbildungskonzept wider.  

Beschwerdeverfahren  

Durch unseren offenen und zugewandten Kommunikationsstil signalisieren wir allen Klienten und deren Familien, dass sie jederzeit auf die pädagogischen Fachkräfte, Mitglieder des Leitungsteams und die Praxisleitung zugehen können, um über Unzulänglichkeiten zu informieren und sich über Fehlverhalten von Mitarbeiter*innen zu beschweren. 

Diese Beschwerden können persönlich, per Mail sowohl an die Praxisleitung oder eine andere Mitarbeiter*in, per Brief oder aber auch telefonisch erfolgen. 

Alle Mitarbeiter*innen sind aufgefordert, jede Beschwerde zu dokumentieren und unverzüglich an ein Mitglied des Leitungsteams (direkte Vorgesetzte) oder die Praxisleitung weiterzuleiten. 

Jeder Beschwerde muss innerhalb von einer Woche nachgegangen werden und es muss ein persönlicher oder telefonischer Kontakt zum Beschwerdeführer angebahnt werden. 

Diese Information erhalten die Eltern, zusammen mit den Kontaktadressen der Praxisleitung, beim Abschluss des Vertrages. 

Notfallplan 

Im Verdachtsfall wendet sich jede/r Mitarbeiter*in unverzüglich an ihre Teamleitung entsprechend dem Ablaufplan. Die insofern erfahrene Fachkraft Maren Nobes der Praxis Apfelbaum wird mit hinzugezogen.  

Kooperation 

Im Zuge der Netzwerkarbeit erstellt die Praxis Apfelbaum einen Übersichtsplan der präferierten Kooperationspartner. Wir arbeiten bereits seit Jahren vertrauensvoll mit den örtlichen Jugend- und Sozialämtern, dem LVR und natürlich den Kinder- und Jugendärzten, Kindertageseinrichtungen und Schulen zusammen.  

Risikoanalyse 

Die Risikoanalyse ist ein Instrument, um über Gefahrenpotentiale und Gelegenheitsstrukturen in der Organisation und der Einrichtung bewusst zu werden. Aktuell befindet sich die Praxis in diesem Prozess. Als bereits identifizierter Schutzfaktor kann in diesem Zusammenhang benannt werden, dass alle Therapieräume in der neuen Praxis in Walbeck mit halbtransparenten Glastüren ausgestattet wurden. So ist ein Gefühl des Schutzes im Innenraum gegeben, denn einerseits kann von außen immer hineingesehen werden, andererseits fühlt man sich nicht beobachtet, da sie nur halbtransparent sind.  

Zum Schutz der Mitarbeiter*innen wurde ein Notfallknopf angeschafft, der es im Notfall ermöglicht sich schnell Hilfe zu holen, ohne den Raum verlassen zu müssen.  Im Umgang mit herausforderndem Verhalten muss ein individueller Notfallplan erarbeitet werden, der zum Schutz der Kinder, aber auch der Mitarbeiter*innen für Handlungssicherheit sorgt.  

 

Um Ihnen ein optimales Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Internetseiten erklären Sie sich damit einverstanden.

Hier finden Sie unsere Datenschutzerklärung.